Macau – Las Vegas des Ostens
Anne Dunkel am 24. Oktober 2009 um 22:50
Casino Lisboa in Macau (Foto: Anne Dunkel)
Wie man beim Frühstück hört, hat es heute Nacht doch tatsächlich noch ein paar ganz Unerschrockene in eines der unzähligen Spielkasinos getrieben. Steffen, der das Orchester seit Beijing als freier Hörfunk-Journalist begleitet, hat beim Blackjack seinen Einsatz verdoppelt, aus 200 Macau-Dollars 400 gemacht und ist dann klugerweise als reicher Mann (Gewinn umgerechnet 20 Euro) um zwei Uhr früh zurück gekommen. Vor der Generalprobe und dem letzten Konzert bleiben heute ein paar Stunden, um Macau zu durchstreifen. In der Stadt am gegenüberliegenden Ufer von Hongkong hat die ehemalige Kolonialmacht Portugal bis heute ihre Spuren hinterlassen. Alleine in der Altstadt gibt es 60 christliche Kirchen.
Wer Fieber hat muss draußen bleiben
Schade, die Zeit reicht einfach nicht für diese Stadt; Abfahrt in die Konzerthalle. Im Macau Cultural Center findet in diesen Tagen das Macau Musikfestival statt, zu dem auch das Konzert des German Radio Philharmonic Orchestra gehört, im Programmheft auch als „Orquestra Filarmónica da Rádio Alea “ angekündigt. Die Sicherheitschecks für Künstler und Publikum waren in allen Hallen dieser Tournee ausgesprochenen aufwändig. Macau ergänzt das Ritual um eine weitere Variante. Hier wird vor Betreten des Konzertsaals doch tatsächlich auch noch die Körpertemperatur jedes Einzelnen gemessen. Wer Fieber hat muss draußen bleiben – wegen H1N1-Virus, Schweinegrippe. Die Gesundheit unserer Orchestermusiker und ihrer Entourage ist robust, alle dürfen rein.

Chefdirigent Christoph Poppen (Foto: Anne Dunkel)
„Es hätte nicht besser laufen können“
Der Rahmen dieses Abschlusskonzerts könnte nicht schöner sein: Mozarts Haffner-Sinfonie, Brittens „Serenade“ und Beethovens Fünfte auf dem Programm, proppevoller, gut klingender Saal und ein überaus kundiges Publikum. Vielleicht das „europäischste“ auf dieser Reise. Kein Gemurmel, keine Zwischenklatscher, dafür heftiger, lang andauernder Schlussapplaus. Das allerletzte Stück – die 3. Zugabe! – widmet Chefdirigent Christoph Poppen dem Publikum: das Jasminblumenlied. Nicht anders als vor zehn Tagen im drei Flugstunden entfernten Beijing reagieren die Zuhörer sehr emotional. Dieses Publikum macht uns den Abschied aus dem Land des Lächelns so richtig schwer. Backstage bedanken sich Chefdirigent Christoph Poppen und Orchestermanager Benedikt Fohr bei den Musikern mit viel Lob für ihren Einsatz: „Es hätte nicht besser laufen können. Künstlerisch und organisatorisch.“ Und Warren Mok, Leiter des Macau-Festivals, ergänzt: „Das Publikum war begeistert. Sie haben es selbst gehört. “ Es wird noch spät in dieser Nacht und morgen liegt eine 26-stündige Reise vor uns, bevor wir dann am Montag, vermutlich nicht mehr ganz so frisch, vermelden: Ende der Dienstfahrt.
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